Seeuferaufwertungen am Thuner- und Brienzersee


An der Generalversammlung des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee (UTB) berichtete Fischereiaufseher Beat Rieder ausführlich über laufende und geplante Revitalisierungsprojekte an den Ufern der beiden großen Oberländer Seen. Als Leiter des Fischereiaufsichtskreises II erläuterte Rieder den gesetzlichen Auftrag sowie die detaillierte Revitalisierungsplanung des Kantons Bern. Er verdeutlichte die Ausgangslage an den Seen und zeigte anhand beeindruckender Beispiele, welche Erfolge für Mensch und Natur erzielt werden können, wenn Kanton, kantonaler Renaturierungsfonds, Gemeinden, private Grundeigentümer, Uferschutzverband, Fischer und andere Interessierte zusammenarbeiten. Da dieses Thema eng mit der Arbeit des UTB verknüpft ist, präsentiert das Jahrbuch eine ausführliche Zusammenfassung, basierend auf Unterlagen von Beat Rieder.



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Brunnenriff Brienz (Fischereiinspektorat des Kantons Bern).


Im Sommer 2022 veröffentlichte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) erstmals einen umfassenden Gewässerbericht, der die Situation von Fließgewässern, Grundwasser und Seen in der Schweiz beschreibt. Der Bericht behandelt die Wasserqualität, den biologischen Gewässerzustand, die Auswirkungen des Klimawandels, den Stand der Gewässerschutzmaßnahmen sowie den daraus resultierenden Handlungsbedarf. Zwischen 2011 und 2020 wurden in der Schweiz 182 Kilometer Fließgewässer und 8 Kilometer Seeufer revitalisiert. Obwohl dies noch lange nicht ausreicht, nehmen Planung und Umsetzung von Projekten zunehmend Fahrt auf. Während zwischen 2011 und 2020 durchschnittlich 19 Kilometer pro Jahr revitalisiert wurden, stieg diese Zahl zwischen 2018 und 2020 auf 25 Kilometer pro Jahr. In den kommenden Jahrzehnten wird eine Umsetzungsgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Jahr angestrebt.



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Am Thunersee sind heute rund 75% der Ufer künstlich angelegt (Geoportal Bern).


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Am Brienzersee sind heute rund 50% der Ufer künstlich angelegt (Geoportal Bern).




Auftrag für Kantone: Revitalisierungsplanung Seeufer

Die Kantone waren verpflichtet, bis Ende 2022 eine verabschiedete „Revitalisierungsplanung Seeufer“ beim BAFU einzureichen. Ende 2021 wurde ein Entwurf dieser Planung eingereicht. Die Resultate skizzieren Projekte für die kommenden 20 Jahre und bestimmen ab 2025 die Höhe der Bundessubventionen für Revitalisierungen. Von den 26 Kantonen haben 19 Kantone relevante Seen (größer als 5 Hektar) und 17 Kantone haben entsprechende Planungen eingereicht. Die vorläufigen Resultate der Planungsentwürfe aus diesen 17 Kantonen sind insgesamt von guter bis sehr guter Qualität und umfassen 121 Seen mit rund 1350 Kilometern Seeuferlänge. Davon weisen etwa 750 Kilometer eine schlechte Ökomorphologie (künstliche oder naturfremde Ufer) auf, ca. 180 Kilometer haben einen hohen Revitalisierungsnutzen und etwa 330 Kilometer einen mittleren Nutzen. Insgesamt wurden mehr als 180 Projekte mit einer Gesamtlänge von über 70 Kilometern zur Umsetzung in den nächsten 20 Jahren geplant.




Aktueller Zustand des Thunersees und Brienzersees

Das Hauptziel der Uferaufwertung besteht darin, den Lebensraum für eine möglichst vielfältige Tier- und Pflanzenwelt zu verbessern oder wiederherzustellen. Gleichzeitig soll der Zugang zum Gewässer für die Bevölkerung als Naherholungsraum erleichtert werden. Beide Ziele lassen sich in solchen Projekten meist problemlos verbinden.

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Seeufer bei der Pfäfflikurve (Fischereiinspektorat des Kantons Bern).




Ausgeführte Projekte am Brienzersee

Eines der bemerkenswerten Projekte am Brienzersee ist die Aufwertung des Seeufers bei der Pfäfflikurve. Hier wurden vor der direkt am Ufer verlaufenden Straße und dem eintönigen Kiesstrand Unterwasser-Riffs und Inselchen angelegt. Der südliche Teil der Aufwertung wurde als Badeplatz gestaltet. Im Schutz eines Riffs wurden Schilfbüschel gepflanzt und große, liegende Fichten als Laichplätze für Eglis verankert. Diese Struktur hilft, das Ufer zu sichern und gleichzeitig die Biodiversität zu fördern.

Ein weiteres Projekt ist das Brunnen-Riff, eine Ersatzmaßnahme der Zentralbahn. Hier wurden Holzpfähle und Wurzelstöcke verwendet und mit Weiden bepflanzt. Dahinter entstand ein vor Wellenschlag geschütztes Flachufer, das mit Schilf bepflanzt wird. In Oeried wurde eine Flachwasserzone eingerichtet, wobei die Grundeigentümer für den Wasserbau verantwortlich sind. Diese Maßnahmen schaffen wichtige Laichplätze für Eglis und andere Fischarten. Über den Brienzersee verteilt wurden bereits über 30 Fichten als Raubäume für laichende Fische und Jungfische verankert, insbesondere Eglis nutzen diese Strukturen intensiv.



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Die Wurzelstöcke wurden sofort von Hechten mit Beschlag belegt; sie bieten aber auch Eglis und Forellen gute Versteck.




Geplante Projekte am Brienzersee

In Brienz sind zusätzliche Inseln beim Aaregg und im „Brunnen“ geplant, wobei eine weitere Insel im Brunnen bereits bewilligt ist. Zudem ist eine Aufwertung der Flachwasserzone am unteren Ende des Brienzersees im Bereich Sendli-Baggerseeli geplant.



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Die Raubäume werden von den Fischen im Brienzersee gut angenommen (Foto: Fischereiinspektorat des Kantons Bern).




Ausgeführte Projekte am Thunersee

Am Thunersee wurde im Bereich der Fischzuchtanlage Faulensee eine bedeutende Uferaufwertung vorgenommen. Hier sind die Seeufer stark verbaut und der Zugang zum See ist gefährlich. Auf Initiative des Fischereiinspektorates wurde eine Flachwasserzone mit vielfältigen Strukturen für Fische geschaffen und ein verbesserter Zugang zum Wasser für die Bevölkerung eingerichtet. Dies war ein großer Erfolg.

Im Bereich Salzacker wurden Balchenlaichplätze aufgewertet. Die größte Felchenart des Thunersees laicht nahe am Ufer und an geeigneten Stellen wurden große Fichten unter Wasser verankert. Unterwasseraufnahmen zeigen, dass diese Raubäume von Tausenden Fischen genutzt werden, darunter Eglis, Weißfische und Hechte. Diese Bäume bieten Schutz vor Fressfeinden und dienen den Jungfischen als Kinderstube.

Im Chrattiggraben und Herbrig bei Leissigen wurde Totholz, das bei der Sicherheitsholzerei der BLS anfiel, in den See gefällt. Dies dient als natürlicher Wellenschutz und bietet Lebensräume für Hechte, Forellen und andere Fische. In Leissigen wurde außerdem ein großer Geschiebesammler für den Griesbach gebaut und rund 20.000 Kubikmeter Kies vor der Gipsfabrik aufgeschüttet, wodurch eine attraktive Flachwasserzone entstand.



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Die Fischzucht Faulensee vor der Aufwertung (Foto: Kissling & Zbinden AG).

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...und ein verbesserter Zugang zum Wasser für die Bevölkerung (Foto: Kissling & Zbinden AG).




Schilfschutz und Aufwertung Gwattlischenmoos

Im Gwattlischenmoos wurde ein alter Schilfschutzzaun durch Unterwasser-Riffe und Inseln aus Kies, Felsbrocken und Wurzelstöcken ersetzt. Dies bietet vielen Fischen Unterschlupf und Nahrung. Dieses Projekt wurde unter Federführung der ANF geplant und mit dem UTB als Bauherrschaft umgesetzt.



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Eglibaumprojekt Thunersee

Taucher und Fischer des Vereins Highland Fishing sammelten ausrangierte Weihnachtsbäume und versenkten diese beschwert mit Steinen im unteren Seebecken zwischen Einigen und Hünibach. Die Bäume wurden schnell von den Eglis als Laichplätze angenommen.



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Eglis inspizieren einen ausgedienten Weihnachtsbaum, der im Thunersee versenkt wurde (Foto: Karl Moser).

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Die Tannenzweige wurden von den Eglis für gut befunden und als Struktur genutzt, an denen sie ihre Laichbänder aufhängten (Foto: Karl Moser).




Aufwertung Hünegg

Vor dem Schloss Hünegg in der Gemeinde Hilterfingen war aufgrund geologischer Gründe keine Aufschüttung möglich. Ein Flachufer wurde landwärts zurückversetzt angelegt, das weniger den Fischen als den Badenden dient.

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Eine kleine Aufschüttung neben der Ländte dient Menschen und Fischen. (Foto: Hollinger AG).




Umgestaltung Ländtematte in Hilterfingen

Geplante Projekte am Thunersee umfassen Uferaufwertungen und Flachwasserzonen in Einigen am Weekendweg und neben der BLS-Schiffländte. Bei Stampach Merlingen werden die Balchenlaichplätze mit Raubäumen aufgewertet. Ein langfristiges großes Projekt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Spiez ist die Uferaufwertung vom Strandbad Faulensee und Hafen Güetital.

Die Gemeinde Krattigen und das ASTRA planen eine Parkplatz- und Verkehrsentflechtung beim Lido. Da das Ufer an dieser Stelle steil abfällt, sind in den senkrechten Ufermauern Abgänge zum Wasser vorgesehen.

Eine Vision für die Zukunft ist der Ersatz der 1,5 Meter hohen Mauer des Strandwegs Faulensee-Spiez durch eine Flachwasserzone. Dies wird nicht sofort realisiert werden können, aber langfristig ist das Ziel, die Ufer wieder menschen- und fischfreundlicher zu gestalten.



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