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Naturschutzgebiet Jägglisglunte
Auf Anregung einiger seiner Mitglieder hat der UTB dem Büro IMPULS AG eine Analyse vom NSG Jägglisglunte ich Auftrag gegeben. Die Frage lautet: Wie kann der ökologische Wert des Gebietes verbessert werden? Gleichzeitig wurde von Fischereikreisen eine Studie (Auftragnehmer: Ingenieurbüro Mätzener und Wyss) angeregt, welche klären soll, ob und wie eine Mehrzufuhr von Wasser vom Oltschibach in die Jägglisglunte möglich ist. Diese Studie ist vom Renaturierungsfonds finanziert und wird im April 2011 vorliegen.

Ausgangslage
Das Naturschutzgebiet Jägglisglunte, ein Totarm der Aare, liegt isoliert mitten im intensiv genutzten Landwirtschaftsland bei Brienz. Es ist auch im Inventar der Auen von nat. Bedeutung aufgeführt. Die Unterschutzstellung der gesamten Jägglisglunte geht auf das Jahr 1978 zurück. Während dieser Zeit wurde auch die Nationalstrasse A8 gebaut, welche das Naturschutzgebiet zerschneidet. Schutzziel gemäss Schutzbeschluss ist der Erhalt der reichen Schilf-, Binsen und Seerosenbestände, der abwechslungssreichen Uferbestockung und der vielfältigen Tierwelt.

Gespiesen wird die Jägglisglunte über den Oltschibachhkanal. Der Abfuss geschieht über das Entenbächli.

Situation Jägglisglunte

Problematik
Da nur noch wenig Wasser durch das Naturschutzgebietfliesst, fehlt die Dynamik. Das Naturschutzgebiet verlandet zunehmend. Pflanzen, die nährstoffarme Substrate bevorzugen und lichtliebende Pflanzen kommen grösstenteils nicht mehr vor. Dies zeigt eine Gegenüberstellung von Bruno Kägi aus den Jahren vor 1960 und nach 1990. In den kalten Wintern 2008/09 und 2009/10 starben zudem viele Fische. Unter der Eisdecke war vermutlich zu wenig Sauerstoff vorhanden.

Vorgehen und Ergebnisse
Was für den Lebensraum Jägglisglunte aber von Bedeutung ist,  sind die Strukturen und die Wasserqualität. Das Gewässerschutzlabor des Kantons Bern hat sich 2010 bereit erklärt, 4 Wasserqualitätsmessungen über das Jahr verteilt vorzunehmen. Die Resultate zeigen, dass der Zufluss der Jägglisglunte unbelastet bzw. nur schwach belastet ist. Ein Eintrag von übermässig vielen Nährstoffen ist nicht oder nur selten (bei Niederschlägen nach Gülleaustrag) zu erwarten. Die Nährstoffkonzentration in der Jägglisglunte ist ebenfalls gering aber die DOC-Werte (gelöster organisch gebundener Kohlenstoff) und die gegenüber dem Zufluss erhöhten Nitritwerte (Zwischenprodukt bei der Nitrifikation zu Nitrat) sowie die relativ geringen Sauerstoffwerte weisen auf Abbauprozesse von Biomasse hin.

Empfehlungen
Vor dem Hintergrund der anzustrebenden Schutzziele und der Erkenntnisse aus der Analyse, werden folgende Massnahmen empfohlen:

  • Falls der Flutungsversuch von Mätzener & Wyss positiv ausfällt (d.h. das Wasser nicht via Grundwasserstrom abfliesst), Massnahmen zur verstärkten Frischwasserzufuhr ergreifen -> mehr Sauerstoff für Fische und Abbauprozesse, d.h. Wassermenge des Zuflusses vom Oltschibachkanal erhöhen. Wobei darauf zu achten ist, dass sich in der Glunte nicht zu viel Sediment ablagern kann.
  • Entkrauten und evtl. Räumen des Abflussprofils des Entenbächlis um Hechtaufstieg zu ermöglichen.
  • Mit gezielter Gehölzpflege (vielfältiger, artenreicher Gehölzbestand) Eintrag von Falllaub vermindern und genügend Licht für Wasserpflanzen schaffen.
  • Im südlichen Teil einen Bereich der Glunte mit einem Damm für Amphibien abtrennen  - ansatzweise bereits vorhanden, aber aktuell mit Verbindungsrohr für Fische passierbar, was für die Amphibien nicht ideal ist.
  • Schilfbestand in aktueller Ausdehnung erhalten, d.h. ca. alle 2 -4 Jahre Pflegeeingriff - Wasserfläche nicht einwachsen lassen -> Verlandung möglichst eindämmen.
  • Im südlichen Teil kleine, periodisch austrocknende Kleinstgewässer für die Gelbbauunke schaffen und diese durch regelmässige Pflege/Erneuerung sicherstellen.
  • Vernetzung mit NSG Brunnen verbessern (punktuelle Gehölzpflanzung entlang Oltschibachkanal).
  • Soll die Jägglisglunte langfristig erhalten bleiben, muss sie wohl in ca. 5-10 Jahren ganz oder teilweise ausgebaggert werden. Die von der Sohle her ausgehende Verlandung kann sonst nicht verhindert werden. Im Zusammenhang mit dem sich in Planung befindenden Hochwasserschutzkonzept könnte evtl. eine Ausbaggerung der Jägglisglunte als Ersatzmassnahme angeregt werden.
  • Verträge zwischen ANF und Bewirtschafter zur Extensivierung (Pufferstreifen) rund um die Jägglisglunte abschliessen oder über ÖQV anmelden.

Jägglisglunte